auf der Suche nach mir selbst

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Wer die Götter ruft (IV)

Als der Frühling kam und die Kälte wich, schien Deianeira aus ihrer Erstarrung zu erwachen.
Sie musste gegen die Finsternis ankämpfen, sie musste die Dinge bewältigen, in denen sie sich für einen Versager gehalten hatte, und sie begann zu rennen.
In ihrer spärlichen Freizeit trieb sie ihren Körper bis an seine Grenzen, zwang sich regelmäßig zur Bewegung an der frischen Luft, und gleichzeitig kämpfte sie darum, ihr Praktikum endlich zu beenden und auch in den Vorlesungen versuchte sie, wieder Fuß zu fassen.
Es gab Themen, da war sie gut, wirklich gut, und in all ihrer angestrengten Aktivität vergaß sie oftmals, was sie erlebt hatte, oder sie fiel abends so erschöpft in ihr Bett, dass die Träume fernblieben, und der Schlaf wie ein weiches Kissen auf sie sank.
Oft lernte sie allein draußen, und sie schaffte es auch, einen Vortrag zu halten für ein Seminar, sie, die doch immer so schüchtern war.
Jede Woche gab sie ihre Protokollmitschriften ab, sie bearbeitete sie oft nachts, todmüde, und sie wurden nicht gut, aber sie wollte sie nur hinter sich bringen, nicht daran denken, womit sie dieses Praktikum immer verbinden würde.
In einigen Klausuren war sie recht gut, und in anderen weniger. Das eine Fach würde sie wohl wieder erst bei der Nachklausur bestehen.

Viel Geselligkeit hatte sie nicht in diesem Sommer, es war, als würde sie sich langsam immer mehr von den Menschen absondern.
Als würde sie schon den Tag vorbereiten, an dem sie einmal nicht mehr sein würde.

Und so ging das Semester vorüber, voller angestrengter Aktivität, von den Dämonen ins Leben zurückzufinden.
Als die aktive Lernzeit schon vorbei war, da schrieb sie an ihrem letzten Protokoll, dem wichtigsten, das für ihre Note relevant sein würde.
Es war schwer, sehr schwer für sie, die Konzentration dabei zu behalten, denn ihre Erinnerungen drohten nun, da sie nicht mehr zwanghaft zu ihren Veranstaltungen gehen konnte, überhand zu nehmen. Der schwarze Schleim, dem sie durch ihr hektisches Davonrennen immer eine ganz knappe Nasenlänge voraus war, drang wieder in sie ein, vergiftete sie, und sie war müde, so müde.
So gerne hätte sie ihren Abschied von dieser verfluchten Welt genommen, doch zuerst machte sie ihre Abgabe fertig, und machte mit ihrem kleinen Bruder einen schönen Urlaub. So viele Städte sahen sie da, so viel erlebten sie, und Deianeira als die Ältere passte gut auf ihren Bruder auf. Und doch beneidete sie ihn oft, so oft um seine Unbeschwertheit.

Als sie zurückkamen, hatte sie Angst, solche Angst, vor dem Monster in ihrem Inneren. Sie war so müde vom Weglaufen geworden,sie wollte ruhen, sie wollte Abstand gewinnen.
Und so fasste sie einen Plan, eine Reise, einen Aufenthalt. Sie wollte sich als Kindermädchen verdingen, als Haushaltshelferin, sie wollte sich wieder erden mit diesen Arbeiten, weg von all diesen Gedankenkreisen in ihrem Kopf kommen. Und sie wollte weg aus ihrer Umgebung, die sie so sehr an alles erinnerte, an diese langen einsamen Zeiten mit dem dämonischen Schmerz in ihrem Kopf.
Vielleicht war dieser Plan auch ein Versuch, eine Studie, wie die Menschen reagieren würden, wenn sie weit fort wäre, wenn sie nicht mehr wäre.
Verschwinden, ohne direkt sterben zu müssen.

Es war ein verzweifelter Plan, und doch voller Hoffnung.

Und so regelte sie alle Formalitäten, verabschiedete sich, und machte sich auf ins Abenteuer.
Auf den Weg, ihr altes Leben zu begraben und vielleicht ein neues Leben zu finden.
Sie wusste nicht viel davon, was sie erwarten würde, sie hatte nur sporadischen Emailkontakt, ein paar Bilder, eine Adresse, und die Zusage, sie am Flughafen abzuholen.
Und eine fremde Welt erwartete sie, ohne Verbindung zum Gewohnten.

 

Zu meinem Auslandsaufenthalt habe ich schon viel geschrieben auf diesem Blog, wer mag, kann zurückblättern. Die Texte aus 2013 haben hier ein Ende, ich weiß nicht, warum ich nicht mehr weitergeschrieben habe.

Natürlich wurde nicht alles besser durch die Flucht aus Deutschland, wer hätte es gedacht. Nein, dort wurde ich erst richtig suizidal. Und blieb es auch noch einige Jahre.

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Wer die Götter ruft (III) *evt trigger*

Und so machte sie sich auf zu einer langen Reise in die Einsamkeit.
Dort, wo sie erwartete, den Dämonen zu begegnen.
Hier wollte sie sich dem Kampf stellen.

Sie hatte einen bestimmten Ort im Kopf, wo sie früher schon einmal gewesen war.
Zu ihrer Verblüffung waren dort schon fremde Wesen. Keine Dämonen, sondern verschiedene Halbgötter, die sich freiwillig vom Leben in den großen Götterakademien entfernt hatten, um ihre Freiheit zu genießen.
Diese Wesen waren faszinierend für sie, und sie wollte sich ihnen für einige Zeit anschließen, um von ihnen zu lernen und etwas über das Leben zu erfahren.
Das entsprach zwar nicht ihrer gewünschten Einsamkeit, aber es schien ihr eine spannende Alternative zu sein.
Doch es gab Umstände, gegen die musste sie trotzdem kämpfen.
Als die Dämmerung einbrach, öffnete der Himmel seine Schleusen, und sie musste in ein feuchtes Erdloch kriechen.
Doch tagsüber versuchte sie sich, dem Leben der Halbwesen anzupassen. Manchmal funktionierte es, doch viel zu oft streunte sie lieber in der Umgebung herum und hatte Sehnsucht nach etwas anderem. Was es war, wusste sie nicht, es war alles so vage. Und sie wusste auch nicht, dass schon ein Dämon auf sie lauerte, in verwandelter Gestalt.
In Form einer Nixe lockte der Dämon sie, mit verführerischen Liedern lockte er, und als sie zögernd das dunkle Wasser betrat, misstrauisch, aber auch neugierig, weil sie niemals Nixen gesehen hatte, wuchsen auf einen Schlag dunkle Dornen um den Teich, eine riesige Hecke, und sie wusste, sie würde nur aus dem sumpfigen Wasser entkommen, wenn sie freundlich zu der vermeintlichen Nixe war und alle Aufgaben erfüllte, die diese von ihr verlangte.
Und so kämpfte sie gegen das Ertrinken an, blieb freundlich und erweckte gegenüber dem Dämon den Eindruck, dass er genau das sei, was sie gesucht hatte, dass sie von all seinen grausigen Spielen genauso begeistert war wie er.
Und um ihren lichten neugierigen Geist verdunkelte es sich immer mehr.
Als würden all die Lichtfunken, all die fröhlichen Ideen, die in ihrem Kopf herumtanzten, von grauem Schleim umhüllt, immer dunkler und unbeweglicher.
Doch ihr Gesicht legte sich über sie wie eine Maske, eine Maske, die sie von nun an immer behalten würde.
Und endlich ließ der entlarvte Dämon sie wieder gehen, die Dornenhecke fiel in sich zusammen, und steif ging sie zu dem Ort, den sie doch nur aufgesucht hatte, um zu siegen. Im Fortgehen wisperte er ihr noch ins Ohr, dass sie sich wiedersehen würden.
Und hier saß sie nun und hatte keinesfalls gesiegt, sondern war entkommen mit vergifteter Seele.
Und noch war es nicht vorbei.
Sie wusste, er würde wiederkommen, und er hatte schon Dornenranken bereit gelegt, scharfe Dornen, spitz wie ein Messer, die er mit seiner dämonischen Magie innerhalb von Sekunden wieder zum Wachsen bringen könnte.
Und sie wusste, er wartete nur auf eine Gelegenheit, eine Begründung, warum er ihr etwas antun könnte. Sie würde nicht mit den Halbwesen darüber reden können, nicht einmal nach Anbruch der Dunkelheit in ihrer Nähe sein.
Und so lag sie da im Finstern, und sie durfte nicht schlafen, nicht aufhören zu wachen, sich nicht in einem schwachen Zustand überfallen lassen.
Sie hielt sich an einem Stern fest, niemals durfte sie die Augen schließen, niemals diesen Stern loslassen, dann würde sie auch diese längste aller Nächte überstehen.

Und so kehrte sie gebrochen nach Hause zurück, nicht siegreich, sondern umwabert von schwarzem Schleim, der alle ihre Gedanken vernebelt.

***

Und nun begann die wahre Einsamkeit.
Niemals wieder wollte sie fremde Menschen an sich heranlassen, es könnten ja verkleidete Dämonen sein.
Und so stieg sie ins dritte Semester ein.
Ihre gute Freundin war oft krank, und dieser Winter war voller Kälte und Schnee.
Lange einsame Wanderungen unternahm sie, aber sie saß auch da und versuchte zu lernen.
Den zweiten Teil des Praktikums durfte sie nicht machen, weil sie den ersten Teil nicht fertig gebracht hatte, und so ging sie oft zu anderen Lehrern und versuchte fremde, neue Dinge zu lernen. Dort, wo sie anonym war und niemand sie kannte, irrte sie nun umher.
Kalt war es, in ihr, draußen.
In diesem Semester bestand sie einige Vorlesungen, die grundlegenden Pflichtfächer, außer dem Praktikum. Doch sie bestand sie nicht gut, viel zu umnachtet war sie, um volle Leistung zu erbringen. Und das, was sie von anderen Lernorten mitnehmen wollte, das ging an ihr vorbei.

***

2013 habe ich den Text folgendermaßen kommentiert:

Mh, in diesem Beitrag habe ich wohl das volle Ausmaß der Abstraktion erreicht. Ich weiß nicht, ob man da etwas verstehen kann, und genau bei diesem Thema mag ich auch gerne die Abstraktion erhalten, damit die Erinnerungen nicht zu stark werden.
Obwohl, stark sind sie auch so. :juck:
Und der darauffolgende sehr niedergedrückte Teil ist wohl doppelt niedergedrückt, einmal, weil mich die Erinnerungen wieder so [es gibt gar keinen Begriff dafür ] machen, aber auch, weil es wirklich eins der schlimmsten Halbjahre in meinem Leben war. Obwohl ich das in den Jahren darauf wohl noch steigern konnte.
Hier ist in meinen Erinnerungen vor allem die Kälte vorherrschend. Es wird wohl nicht das ganze Semester lang ein knapper Meter Schnee gelegen haben, sondern nur wenige Tage, und doch ist da Schnee, nur Schnee.

Ich weiß noch, ich fühlte mich besudelt, kaputt, und ich hatte wirkliche, reale Todesangst, auch wenn ich wohl niemals herausfinden werde, ob das Messer nicht doch nur zum Fischen war. Damals war es eine Waffe, um mich zu bedrohen.

Und der verschneite Winter danach, meine Erinnerung produziert immer noch meterweise Schnee.

Fluchtgedanken

„Weißt du, ich bin ein bisschen neidisch auf dich. Du bist qualifiziert, kannst dir einen tollen Job suchen, kannst in irgendeine schöne Stadt ziehen, tun, was du möchtest. Ich stecke in unserer verstaubten Kleinstadt fest.“ Ich schaue Herrn Maske an. Ich weiß, dass er neidisch auf mich ist, und was er mir jetzt sagen wird. Er wird mir widersprechen.

„Du hast Freunde, soziale Bindungen, einen Platz, wo du hingehörst. Ich habe ungefähr drei Menschen, mit denen ich etwas unternehmen kann, und zwei davon sind auch nur befristet hier, nächstes Jahr sind die alle wieder weg.“

Ja, da hat Herr Maske recht. Echte Freunde würden eine verstaubte Kleinstadt vermutlich aufwiegen.

Nur, was er nicht weiß, so konstant und stabil ist mein Freundeskreis auch nicht. Im Hinterkopf ist ja auch er einer meiner engsten Freunde, derjenige, mit dem ich die letzten Monate viel Tiefsinniges geredet und die Gespräche in meinem Kopf fortgeführt habe. Und mein zweiter bester Freund ist mir auch erst vor einigen Monaten zugelaufen. War plötzlich so da, als ich ihn brauchte, und seitdem verplaudern wir uns immer stundenlang.

Die Freunde von letztem Jahr sind verblasst, umgezogen, oder haben keinen Grund mehr, ständig in meine Stadt zu fahren. Es ist nicht mehr so wie damals, als wir ein großes gemeinsames Projekt hatten.

Und andere, ja, wir unterhalten uns mal, beim gemeinsamen Hobby, aber wenn wir dieses Hobby nicht hätten, dann würden wir vermutlich nicht miteinander reden.

Ja, lieber Herr Maske, ich glaube, mein Freundeskreis ist nicht weniger Veränderungen unterworfen als deiner. Kein Grund zum Neid.

Und vielleicht meinst du nicht meinen Freundeskreis, vielleicht meinst du den Partner, mit dem ich zusammenlebe.

Lieber Herr Maske, weißt du nicht, dass ich mich schon vor einiger Zeit in dich verguckt habe? Dass ich gar nicht mehr sicher bin, ob diese Beziehung überhaupt halten kann?

Und so sitzen wir im Bus und schauen das Fenster hinaus. Bis doch wieder einer von uns etwas sagt. Mit dem Wunsch, uns zu offenbaren und anzuvertrauen, und trotzdem nicht zuviel zu sagen. Wir sind doch nur Kollegen. Und wir wollen beide unsere Maske behalten, niemals angreifbar werden.

Schweigen, lachen, voreinander angeben, Zukunftspläne schmieden. Nein, keine gemeinsamen. Wir stehen nur beide in Umbruchsphasen, tauschen Erfahrungen miteinander aus.

Herr Maske, du kennst mich nicht. Ich konnte dich überraschen. Wäre ich nicht ein bisschen impulsiv gewesen und hätte ich nicht ins Blaue hinein geraten und recht gehabt (denn dich kenne ich mittlerweile ganz gut), dann würden wir jetzt nicht in diesem Bus sitzen.

Und jetzt habe ich die Möglichkeit, mein Leben komplett umzukrempeln. Weshalb wir das Gespräch vom Anfang führten. In meiner verstaubten Kleinstadt habe ich mein Leben. Meinen Partner, meine Tiere, meine nicht vorhandenen Freunde, meine Wohnung.

Dann fährt mein Hirn den Vorhang herunter. Es ist damals. Als ich kaputt war. Und raus wollte aus der Kleinstadt. Ins Ausland flog, um Abstand zu bekommen. Und dort noch mehr kaputt zu gehen. Jetzt könnte ich doch wieder fliehen. Und wieder noch mehr kaputt gehen. Hinter dem Vorgang ist es so verloren, dass ich verloren gehen möchte.

Das sage ich Herrn Maske nicht. Wir planen meine Zukunft ohne dieses verhängnisvolle Angebot, das ich zu dem Zeitpunkt des Gesprächs ohnehin noch nicht habe. Eine schöne Zukunft, eine, die nichts zerstört, und dennoch viel spannender ist als die Option, mit der ich fliehen will. Die Auslandsaufenthalte ebenso offen lässt wie die Möglichkeit, mit den Tieren alles beim Alten zu lassen.

Das Angebot macht mich konfus. Es klingt so einfach. Unterschreiben, und dann ist meine Seele verkauft und ich muss mich nicht mehr mit ihr abplagen. Meine schöne und realistische Zukunft versteckt sich im Nebel. Im Hinterkopf zerschlage ich alles fein säuberlich, so, dass nicht zu viele Kollateralschäden entstehen.

Und doch weiß ich, dass ich nicht anfangen sollte, Dinge zu zerstören. Es ging damals nicht gut, hat meine Entwurzelung greifbar gemacht, und es würde auch heute nicht gut gehen.

Zarte neue Wurzeln habe ich dann hier doch gebildet.

Lieber Herr Maske, ich hoffe, du kannst auch Wurzeln schlagen. Manchmal willst du fliegen, und es klingt so greifbar, dass du das kannst, und dann klingst du wieder traurig, frustriert. Versuchst es, mir zu sagen, ohne es zu sagen. Denn wir tragen ja alle Masken.

Wer die Götter ruft (II)

Und so kam wieder die Zeit, als die junge Deianeira sich aufmachen musste, um weiter an ihrer Ausbildung zu arbeiten.
Sie freute sich auf dieses Semester, es kamen viele spannende Dinge hinzu, vor allem auch ein Praktikum.
Endlich musste sie nicht mehr nur in finsteren Räumen sitzen und der Theorie frönen, sondern durfte ihre Kenntnisse praktisch anwenden und darüber dann Berichte schreiben.
Und noch etwas Neues kam hinzu.
In den langen Säulengängen begegnete ihr immer wieder ein junger Gott, Zeus ward er genannt. Er war noch nicht der Göttervater, sondern selber in Ausbildung, ein junger fleißiger Arbeiter, der den Studenten helfen und sie unterstützen sollte, während er per Eulenpost seine eigenen Ausbildungsbriefe bekam. Sein Bereich waren alle praktischen Anwendungen, und er kannte sich gar gut in Technik aus.
Und dieser Zeus grüßte sie immer wieder, lächelte ihr freundlich zu, und eines Tages traf es sie wie ein Blitz. „Mit ihm werde ich zusammen sein.“
Und so lächelte die junge Deianeira immer wieder zurück, wenn er ihr begegnete, und eines Tages gingen sie zusammen in den historischen Stätten wandeln, unterhielten sich und kamen sich immer näher.
Und so hatte ihr Leben eine neue Bedeutung.
Sie lernte viel, denn sie wollte auch die Dinge verstehen, die er verstand, und gerade die Themen, mit denen sie sich aktuell beschäftigte, hatten gar viele Überschneidungen mit seiner Ausbildung. Sie machten ihre Zusammengehörigkeit nicht öffentlich, aber immer, wenn er die geheimnisvollen Gerätschaften aufbaute, mit denen ihr Professor den jungen Studierenden zeigen wollte, was die Geheimnisse der Natur sind, lag sie mit ihm im stillen Einverständnis.
Und auch bei ihren praktischen Übungen baute er alles auf und zeigte ihr, wie diese beinahe magischen Geräte zu bedienen sind.
Sie schien von einer göttlichen Aura erfasst, und Zeit hatte keine Bedeutung mehr. Schlaf hatte keine Bedeutung mehr.
Sie hatte eine innere Energie und konnte ihr Leben nicht mehr zum Stillstand bringen.
Tage und Nächte lernte sie, sie exerzierte ihren Körper in den Hallen der Universität, sie verbrachte Zeit mit ihm und schien beinahe zu schweben, und sie trainierte die geflügelten Pferde im Stall ihrer Eltern.
Pausenlos war sie unterwegs, ein Tag schien Millionen Stunden zu haben, und irgendwie brachte sie alle Tätigkeiten in ihrem Tagesablauf unter. Ihre Berichte schrieb sie unterwegs, sie lernte nebenbei, alles war so schwer und doch so leicht.
Sie führte das Leben einer Göttin, und dabei vergaß sie, dass sie auch nur eine Sterbliche war.
Immer rastloser wurde sie und gehetzter, so viel wollte sie noch machen, sie schlief nicht mehr, sie hatte keine Zeit mehr für ihre Familie, sie stritt sich und verschwieg, dass nun ein Gott an ihrer Seite wandelte.
Und so kam das Ende des Semesters, und Deianeira wurde müde, so müde.
Sie schloss einige Fächer mit Top-Noten ab, ein anderes war zur Bedeutungslosigkeit verkommen und sie bekam ihre Abschlussnote nur durch Zufall.
Und dann war es vorbei.
Nur ihre letzten Praktikumsberichte hatte sie noch zu schreiben.
Doch sie konnte nicht mehr.
Sie konnte Zeus nicht mehr ertragen, seine Worte, seinen Blick, seine Anwesenheit.
Und sie konnte dieses Protokoll nicht mehr schreiben, zuviel war es, das sie dafür hätte machen müssen, zuviel daran erinnerte sie an ihn.
Und so zog Deianeira sich von der Welt zurück, sprach mehrere Tage mit niemandem mehr und versuchte, herauszufinden, wer sie eigentlich war, ob sie eine göttliche Herkunft hatte, oder ob sie von Dämonen besessen war.
Und dann entschied sie, sie würde in die Unterwelt hinabsteigen und gegen diese Dämonen kämpfen..

Memories

Once upon a time, there were things happening, and after these I was left broken, suicidal, isolated. It seemed like these times were over, I recovered from all the mental issues. In 2014 I felt that it was over. In 2015 I fell down again, deeper than I ever expected. I struggled to win back my life. And it worked for a long time. My life was beautiful.

And now I read old journal entries, and these feelings come back to to my mind once again. They are real, like there was no single minute between now and then. I am living with my boyfriend, but somedays it feels like everything is a lie. I’d like to run away, maybe I could apply for a job in an international company, go abroad, start a new life (I tried this once when I did my Au-Pair year). Which also could be full of lies. Will I ever start to be real again?

Tomorrow I will visit my doctor, tell him that I was crazy years ago, that crazy crazy thing where I wanted to kill me and where I was self-harming and bingeing and purging and where I was so paranoid that none of my leftover friends wanted to see me again. And I will tell him that today none of this is true, that I am healthy and happy, only.. maybe I am afraid to fall again. And that I have ups and downs that are not so bad for themselves, that I can control them, there is only the little problem that when I am in one of the ups, I plan so many things that I feel like I completely burn out when the up is over. And when I am down, I do not get things done and I feel like a complete failure.

Maybe I do not tell him it that way. But maybe I do.

And I read more old texts and drown in my memories.

In between the bad feelings I try to get things done. I need to do so many things, I don’t have time. It is running so fast. Too fast for me. But I am the one that forces the time that way.

I am so tired. And I am doing so many things. Doing my job, doing my other job, writing my thesis, keep track of my private life (which is lost however), finishing my thesis, writing a CV for my applications, writing a CV of failures for my psychologist.. And this is all happening at the same time. I am completely down and lost in my memories, but at the same time planning big changes for my life. A life from which I don’t know if it’s a lie or if it is a true life. Maybe it is both, a life full of contradictions.

And I somehow do not know why I write this now. And why I do not write this in my native language. Maybe because it doesn’t touch me that severely. I can keep distance from it. And plan my day between doctor and psychologist and studies and jobs and applications, a robot that is not me.

Once I had mind disorders, now I can keep jobs and do good work, so why should I complain? Haha. Let’s see what the doctor says. Maybe he helps me to find a good psychiatrist.