auf der Suche nach mir selbst

Autor-Archiv

Glückskind

Meine Psychologin zu mir: „Sie haben es ja das letzte Jahrzehnt ganz schön schwer gehabt. Eigentlich bewundernswert, was Sie trotzdem geschafft haben. Und irgendwie würde ich es Ihnen wünschen, dass Sie mal zur Ruhe kommen und es ein bisschen einfacher haben.“

Deshalb der Vorschlag mit dem Klinikaufenthalt. Ich scheine soweit stabil genug zu sein, um ganz gut überleben zu können, aber mein Kopf stellt mir trotzdem immer wieder Fallen, das ist wahr. Irgendwann muss ich mir die Zeit für mich einmal gönnen, da sind noch einige Dinge aufzuarbeiten.

Und trotzdem, jetzt gerade will ich über ein anderes Thema schreiben. Darüber, dass ich unglaublich privilegiert bin. Ich habe so vieles, das mir ermöglicht hat, in den letzten zehn Jahren das Stehaufmännchen zu spielen.

Denn ich habe nicht nur negative Erfahrungen gemacht, ich habe auch unfassbar viele positive stärkende Erfahrungen auf meinem Lebenskonto.

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen mit hoher Bildung, habe Abitur, einen Universitätsabschluss, spreche mehrere Sprachen, kann mit Mathematik und Naturwissenschaften und einer ganzen Reihe von Programmiersprachen umgehen. Und durfte zusätzlich auch in der Lehre arbeiten, kann also zum Beispiel auch mathematische Zusammenhänge erklären und das mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein und hinreichender Gelassenheit vor einer Gruppe von Menschen tun. Schon allein diese Erfahrung ist unfassbar viel wert, dass dieses unterrichten selbst dann noch funktioniert, wenn es einem unglaublich schlecht geht und man sich am liebsten zuhause mit seinen Albträumen und Gedankenkreisen einbuddeln würde.

Ich durfte als Jugendliche reiten lernen und habe da genügend Erfahrungen und Kenntnisse sammeln können, dass mir später so einige Pferdebesitzer ihre wundervollen Tiere anvertraut haben. Und gegen psychische Probleme gibt es kaum ein besseres Heilmittel als ein großes, starkes und doch so sensibles und feinfühliges Tier.

Ich durfte auch ein Instrument lernen und das ist wunderschön, sich über Musik ausdrücken zu können.

Als Kind habe ich viel auf einem Bauernhof geholfen und die handwerklichen Kenntnisse kann ich auch jetzt als Erwachsene gut gebrauchen.

Dazu bin ich noch mit einer fast unverwüstlichen Gesundheit gesegnet und obwohl ich mittlerweile doch so ein paar Kaputtheiten mit mir mittrage, bin ich trotzdem noch fitter als viele, und mir fällt es nicht schwer, mich viel an der frischen Luft zu bewegen. Und wenn ich gut drauf bin, habe ich eine hohe Auffassungsgabe und lerne extrem schnell.

Außerdem habe ich als letzten Rückhalt meine Familie. Im Alltag haben wir nicht viel miteinander zu tun, aber ich weiß, dass ich auf sie zählen könnte, wenn die ganze Welt zusammenbricht.

Zusammengenommen ist das schon ganz schön viel, was ich da meinen Problemen entgegensetzen kann. Und damit habe ich es zwar schwer gehabt in den letzten Jahren, aber auch sehr einfach. Diese Fähigkeiten haben es mir ermöglicht, fast immer handlungsfähig zu bleiben und aus der Ohnmacht herauszukommen.

Meine Psychologin hat mir erklärt, eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht da, wo Dinge passieren, die fast jeder Mensch für unerträglich halten würde. Und die von einem Gefühl absoluter Ohnmacht und Todesangst begleitet werden.

Teilweise waren meine Optionen, handlungsfähig zu bleiben, eher absurd. Auf Schlaf verzichten, weil ich mir sicher war, dass man zwar hinterrücks im Schlaf angegriffen werden kann, aber niemals, solange man die Augen auf hat. Aber oft haben sie sich als nützlich erwiesen. Zwanghaft wochenlang alle Informationen über ein bestimmtes Thema aufsaugen, meist konnte ich diese Infos wirklich irgendwann verwenden.

Und langsam konnte ich auf meine oben aufgezählten Fähigkeiten zurückgreifen. Reiten, Mathematik unterrichten, programmieren, und je stabiler diese Tätigkeiten in meinen Alltag integriert wurden, umso stabiler wurde auch ich. Wenn ich einen Nervenzusammenbruch habe, gebt mir ein Pferd. Am besten ein Ängstliches, mit dem ich Mitleid habe und es beruhigen möchte. Dann komme ich ganz schnell wieder in Ordnung.

Und dass ich all diese Fähigkeiten habe und lernen durfte, das ist ein Privileg. Das sind Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Souveränität, die mir niemand nehmen kann. Selbst wenn sie zeitweise zusammenbrechen, sie sind da, und irgendwo habe ich noch eine funktionierende Selbstregulation, die darauf zurückgreifen kann.

Also bin ich ein Glückskind, jawohl.

Advertisements

Applications

So, after talking to my psychologist and my doctor (which had a phone call with each other) I shall apply to hospitals, especially for doing trauma therapy.

I have five applications open for different challenging jobs. These look easier than working on myself. Even if I need to move to another city.

 

 


Roll the dice

So, two months left, and then I need for new decisions.

I need to apply for something new, and I could as well roll the dice.

I could apply for hospitalisation. My psychologist and my Doctor (they have had a phone call) think this is a good idea. Part of me thinks that they are right. It does not look like I am completely fine.

I could apply to stay here for three or four years. Some more qualification, people I know and like would work with me, but also people I know and who do not like me. Herr Maske thinks this is a good idea and has many great future plans corresponding to that. My partner thinks it is a good idea because I can stay with him and nothing changes.

I could apply to work at other places. This is my new game. First level, get a job, if you like it or not. Passed. That was easy. If you are ready for slavery. Second level, find a job that you really want and get it. Trying to. 500km away. Maybe it is time for a new beginning.

I didn’t have that urge to get this job before I started the game. So maybe I am getting crazy. Or I finally have clarity. Maybe it is time to split off that relationship that dosn’t seem to have any future. Maybe it is time to go out in the world and see what is there instead of hiding in my old institute.

But maybe it is a hypomanic head that wants to destroy everything that I have build in the last years, the achievements I have with my partner.Some friends told me that I am maybe getting a little fast with new plans.

Who knows, who can ever know?

I definitely not.

So do not loose time to think. Wait for the outcome of your job game and then if you win, hey, life is going for you. If you loose, well, roll the dice if you should go for another round.

Maybe I should roll the dice. Or find some more possibilities. If you cannot decide, you have obviously missed the best option. Maybe. Or maybe you think so much about options that you forget the solutions.

 

Written some days ago. Everything about the same topic. I am not sure how I want to approach it, my thoughts are racing.

 

 


Würfeln

Das Leben macht Drama. Oder ich.

In zwei Monaten ist ein Lebensabschnitt vorbei. Danach wird sich alles ändern. Oder auch nicht.

Meine Gedanken rasen im Kreis. So viele Möglichkeiten. Und es heißt doch immer in Ratgeberbüchern, man kann doch mal über seine Grenzen hinaus Optionen in Erwägung ziehen. Nicht nur das Offensichtliche, Einfache wählen. Ja, klingt plausibel. Und ist gefährlich. Mein Hirn ist doch eh nicht ganz dicht. Da noch bewusst das Denken erweitern.

Meine Psychologin und mein Arzt haben miteinander telefoniert. Und sie sind sich ziemlich einig. Ich bin aktuell gut stabil, ich kann meine zwei Monate sicherlich durchziehen, ohne da jetzt drastisch etwas zu ändern mit Therapie oder Medikamenten. Aber sie machen sich Sorgen um meine Perspektiven. Darum, dass ich permanent unter Spannung stehe und irgendwann in den nächsten Jahren völlig durchdrehe oder zusammenklappe.

Klingt plausibel.

Sie haben sich auch auf eine großartige Lösung geeinigt. Ich melde mich in einer Klinik an und gehe dort hin, sobald ich etwas Zeit habe, und lasse mich erst einmal einige Monate stationär behandeln.

Ein Teil von mir gibt ihnen sehr recht. So, wie es jetzt ist, kann es nicht für immer weiter gehen.

Ein anderer Teil von mir sucht die Lösung ganz woanders. Vielleicht ist das Problem ja gar nicht meine Psyche. Vielleicht ist es ja meine Lebenssituation. Ich könnte mir ja einen Job in einer 500km entfernten Großstadt suchen und noch einmal neu anfangen.

In die Bewerbungsphase bin ich versehentlich gerutscht, einige zufällige Chancen, ein Jobangebot, das ich viel zu einfach bekommen habe, vermutlich, weil es ein so schlechtes Angebot ist, dass ich es nicht akzeptieren will. Aber jetzt ist es zu einem Spiel geworden. Level eins, unerwünschten Job bekommen. Level zwei, guten Job bekommen. Und so stürze ich mich in Level zwei.

Mit meiner Beziehung bin ich nicht zufrieden. Vielleicht könnte ich das ja zum Anlass nehmen, die ebenfalls fein säuberlich auseinanderzusortieren und dann weg zu gehen. 500km.

Oder in die Klinik, abwarten, was da mit mir passiert und danach eine Entscheidung treffen.

Oder ich belasse mein Leben so, wie es ist. Auch hier gibt es Möglichkeiten, Dinge zu verlängern, drei oder vier Jahre weiterzumachen. Eine mir wichtige Person für diese Art von Plänen hat mir gerade das Du angeboten. Auch das wäre nicht einfach, mit viel Engagement verbunden, aber intellektuell auch extrem herausfordernd.

Und in drei Jahren stünde ich dann da. Genau wie jetzt. Ein bisschen besser qualifiziert. Und müsste meine Beziehung dann zerlegen, weil es hier keine beruflichen Chancen dauerhaft gibt.

Dann kann ich es doch auch jetzt machen.

Vorausgesetzt, dass Level zwei überhaupt funktioniert. Ich spiele das Spiel, um herauszufinden, ob nicht alle meine Lebenspläne ohnehin schon gescheitert sind. Ob ich nicht sowieso auf immer arbeitsunfähig bleiben werde. Ich spiele, und hintergehe damit meinen Partner, weil der niemals umziehen wollen würde.

Mein Kopf sagt, ich muss dringend, jetzt sofort, diese Stelle bekommen, und dann in einigen Monaten umziehen. Unbedingt. Ich habe gar keine andere Wahl.

Mein Kopf hat sich diesen Klinik-Gedanken amüsiert angeschaut und dann in eine Schublade gesteckt. Holen wir später wieder heraus.

Meine Freunde sagen, das käme alles etwas plötzlich. Vor kurzem wollte ich doch noch mit meinem Partner auf einen Bauernhof ziehen.

Haben sie recht?

Sehe ich endlich klar, dass etwas passieren muss? Oder läuft mein liebes Hirn Amok und spuckt viel zu viele verrückte rasende Gedanken aus, langweilt sich und möchte noch einmal ein bisschen Krach und Brüche im Lebenslauf?

Hallo Hirn, sag mal, bist du ok? Erzähl mir, ist das Leben, das ich jetzt führe, ein Problem, oder bist du das Problem? Rede mit mir!

 

Noch einer der hektisch geschriebenen Posts zum Thema. Mal schauen, vielleicht stelle ich welche davon wieder auf nicht öffentlich zurück.

 

 

 

 


Hospitalization?

My psychologist and my doctor had a nice amazing phone call. So physically I am completely healthy, all values are perfect, and mentally everything works fine, so I am stable and can finish whatever things I need to do in the next months. But still..

They are both concerned about my life style, about the permanently working and never slowing down, about not liking my free time and about being afraid of all my thoughts, so that I don’t even dare to think too much about myself.

I am used to that life. It is better to have things to do than wanting to kill yourself, isn’t it? And it is not like I am not having any fun. I go by bike every morning, I see the flowers in all their colors, the trees, the rivers, I feel the wind on my skin, I feel my body moving, and then I go happily into my office, drinking tea, I have meetings with Herr Maske, talk to him, listen to him, have great ideas. And in the afternoon I go to the horses, feed them, do all the other things that comfort them, maybe I ride one of them. I think it is a good life.

But I know he has a point. When I am sick, nothing serious, only a little not feeling well, everything breaks down (and I hate myself about not being able to fulfil my expectations). What I am doing is only possible for healthy young people. And I will not be that forever.

So they want me in hospital for some months. To help me to get over whatever Trauma I possibly have, to find out whatelse is wrong with me, and to simply learn to calm down and enjoy my life. Or something like that.

I am confused and can not really let this thought close to me. It feels somehow ridiculous considering the level of functioning I have. But another part of me knows exactly that they are so right, that there is a hole in my mind, and everything could fall into that hole at every moment. And it would be so good to feel safe, to have confidence in myself again.

So yes, maybe I need to find a hospital (does anyone know a good one in Germany?)

Or I could simply sell myself for that job, where I need to go wherever they want me to go, where I am not allowed to do any other job at the same time, where I need o stay for at least two years, where I do not get so much money, things like that. Slavery. But not uninteresting. If I am sitting 24/7 in that job and am not allowed to do anything else, than I would not need to think about any problems.

 

 

Yes, one more about that topic.