auf der Suche nach mir selbst

Archiv für Februar, 2015

Lauf, einsame Wölfin, lauf

Einst bist du einen Abhang hinabgefallen, wurdest von deinem Rudel getrennt, hattest Schmerzen und offene Wunden.
Hast dich im Dickicht verkrochen, musstest deine Wunden lecken, hattest kaum Kraft zu laufen.
Doch jetzt bist du stark, nicht so stark wie ein Wolf, der nie verletzt war, aber du kannst wieder laufen. Du kannst wieder das tun, wozu Wölfe seit Urzeiten vorherbestimmt sind.
Du hast kein Rudel mehr, aber du hast deine Stimme, du kannst nach anderen Wölfen heulen. Und weiterlaufen, immer weiter.

Manchmal brechen deine Wunden wieder auf, und ja, dann zieh dich zurück, such dir einen Unterschlupf, lecke deine Wunden, lass sie ein bisschen verkrusten, lass ihnen etwas Zeit zum Heilen. Aber dann lauf weiter.
Bleib nicht in dieser finsteren Höhle, werde nicht steif und unbeweglich, nimm dir nicht die Möglichkeit, für deinen Lebensunterhalt zu sorgen.
Lauf weiter, einsame Wölfin, denn über dir kreisen schon die Geier, wollen deine Wunden aufbrechen, wollen, dass du aufgibst, wollen dir jede Selbstständigkeit nehmen.
Gib nicht auf und bleib nicht liegen, denn dann haben sie dich.
Dann planen sie dein Leben für dich, nehmen dir jede Selbstständigkeit.
Und für die anderen Wölfe bist du dann nur noch das. Geierfutter.
Dann werden sie dich nicht in ihr Rudel aufnehmen. Dann werden sie dir nicht ihre Welpen anvertrauen, dann werden sie nicht mit dir jagen gehen.

Lauf weiter, einsame Wölfin. Du bist stark, du bist eine Wölfin.
Du allein beherrschst die Kunst, auch wenn du verwundet bist, immer weiter zu laufen, um dein Leben zu kämpfen, und zu sehen, wann es Zeit ist, dich zurück zu ziehen und nach deinen Wunden zu schauen.
Und heule, heule laut in den Vollmondnächten.
Dann wirst du dein Rudel finden.

Einsame Wölfin, du bist wunderbar, du hast Kraft.
Einfach, weil du eine Wölfin bist.
Und weil du schon so viel geschafft hast.

Lauf weiter, einfach weiter.


Kommunikationsfallen

Ich weiß nicht, ob ich eine absurde Art habe, zu kommunizieren, oder ob Andere sich manchmal seltsam verhalten.

Seit Wochen versuchte ich, mich mit einer Bekannten, die einige Stunden entfernt wohnt, für dieses Wochenende zu verabreden.
Ursprünglich wollten wir uns am Samstag treffen, allerdings kam mir dann etwas dazwischen. Wir verschoben es auf Sonntag.
Mitte der Woche erfuhr ich dann, dass ich doch am Samstag könnte, und schrieb es ihr.
Sie antwortete zwei Tage nicht. Ich nahm mir sicherheitshalber beide Tage des Wochenendes nichts vor.
Samstagmorgen kam dann eine Nachricht, dass ich es vermutlich nicht bis zu einer bestimmten Uhrzeit schaffen würde.
Ich schrieb zurück, doch, das würde ganz knapp gehen, Adrenalin durchschoss meinen Körper, ich sprang unter die Dusche, machte mich fertig, schielte zwischendurch immer wieder auf mein Handy. Nichts.
Also blieb ich traurig zuhause sitzen.
Begann irgendwann damit, sie mit Nachrichten zu bombardieren.
Abends schrieb sie dann. Ich habe sie verletzt, angegriffen.
Und es tut ihr leid, dass das so gelaufen ist.
Und dann fragte ich, was ist denn mit Sonntag?
Sie fragt ihre Familie, kann selber nicht fahren, ob mich jemand abholen kann.
Nein, es geht nicht, Geburtstagsfeier, da betrinken sich alle.

Und wo liegt jetzt der Fehler?
Dass ich mich zu sehr reingesteigert habe, dass ich vor einer Verabredung zigmal die Planungen durchgehen muss, damit alles glattläuft?
Aber ich hatte ja recht, ohne steten Kontakt hat es ja nicht funktioniert.

Aber der eigentliche Fehler liegt darin, dass es mich in ein Loch gestürzt hat. Dass ich den ganzen Tag nur leer herumsitzen konnte, dass ich es nicht einmal geschafft habe, spazieren zu gehen, obwohl mir das doch so gut tut, dass ich einfach in Selbsthass und Antriebslosigkeit versinke.
Und mit niemand anderem auch nur ein paar Nachrichten schreiben kann, bevor ich nicht eine Antwort von ihr habe.

Dass ich auch einen Tag später noch in einem desolaten Zustand bin.
Und in die nächste Kommunikationsfalle tappe.
Oft besuche ich Bekannte.
Und bevor ich mich mental auch nur halbwegs wieder stabil finde, ruft jemand an.
Und wieder. Und wieder.
Nein, ich bin noch nicht wieder hergestellt. Ich kann nicht antworten. Ich kann nicht telefonieren.
Sie sind sicherlich wütend auf mich. Weil ich nicht rede.
Genauso wie am Vortag meine andere Bekannte nicht mit mir reden wollte.
So kann ich nicht an meiner Wiederherstellung arbeiten.
Nicht draußen herumbummeln und mich bewegen und frische Luft schnappen und Fotos machen.
Ich sollte doch längst dort sein.
Wenn ich es nicht bin, weil ich doch so doof und kaputt bin, dann darf ich auch nichts anderes tun, was mir guttut.
Steht nicht zur Diskussion.
Doch so verharre ich, im Schweigen, in der Isolation.

Wieso ist Kommunikation so schwierig?
Wieso bin ich so schwierig?


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