auf der Suche nach mir selbst

Raus

Ich will doch endlich weiter machen mit meiner Arbeit.

Und jetzt sitze ich zuhause und bin so raus aus dem Thema und so raus aus meinem Leben.

Wollte ich mich nicht heute nach der Uni mit einem Freund treffen, um gemeinsam zum Bahnhof zu gehen?

Auch da bin ich raus.

Gelähmt, lethargisch.

Und meine Gedanken laufen Amok und flüstern mir ein, ich könnte mich doch nach mehr als einem Jahr mal wieder verletzen.
Nur ein bisschen. Nur wieder das Gefühl, dass ein bisschen Blut an mir herabrinnt.

Unde ich sitze zuhause und kämpfe gegen diese Gedanken und fühle mich kaputt und habe Kopfschmerzen und bin kurz vor einer Migräne, und ich weiß, dass ist alles nur psychisch, und ich weiß, es geht mir besser, sobald ich mich aufraffe und etwas tue, irgendetwas tue, um aus meiner Antriebslosigkeit herauszukommen.

Vielleicht ein paar Bücher durchgehen nach dem, was noch offen ist, vielleicht alles, was ich schon weiß, eintippen und zusammenfassen.

Oder ganz banale Dinge tun, abwaschen, Zeitungen zum Papiermüll bringen.

Oder sogar einfach nur Spazierengehen, ein paar Fotos machen, einfach aus dieser Starre raus.

Stattdessen ist mein Antrieb aus mir raus, oder ich bin aus mir raus, und ich weiß nicht, was ich tun kann.

Einfach starr. Ich hab meinen Alltag verloren.

Und das Stimmchen in mir drin schreit, dann werde halt mit Schneiden aktiv, lass die Starre aus dir raus, werd wieder handlungsfähig.
Das ist es doch, was dir fehlt, um wieder aktiv zu werden.

Und nein, ich will nicht, denn weil es gerade so zeitlich mit meinem Studium zusammenhängt, weiß ich, ich würde danach das Studium hassen, weil es mich zu Dingen treibt, die ich ein Jahr nicht mehr getan habe, und das würde mir mein grundsätzliches Interesse daran verderben und alles in Frage stellen.

Und es schreit: Du willst doch leben, du willst doch einen Abschluss schaffen, warum tust du nicht alles, was nötig ist, um das zu ermöglichen?
Wenn ein paar Schnitte das ermöglichen, dann tu es doch einfach. Es ist so leicht.

Und es treibt mich dazu, das Schneiden fast als vernünftig, rational, zu sehen.
Aber das geht doch nicht, etwas, das mir schadet, zu rationalisieren.

Nein, ich darf nicht, ich will nicht!

Und doch bin ich so raus aus allem, was ich tun könnte, und nur noch in diesem Gedankenstreit drin.

Und überlege, wohin ich fliehen kann.

In mein Gruppenbüro in der Uni, aber da ist es manchmal laut und ich will doch gerade meine Ruhe.
Oder in die Bibliothek am anderen Gebäude, da ist es anonym und ich kann mich in den Massen verstecken.
Aber ich müsste meinen Laptop mitschleppen, weil ich keinen Arbeitsplatz da habe.

Und beide Alternativen kosten mich einiges an Fahrtzeit.
Das könnte ich doch zuhause so konstruktiv nutzen.

Aber ich bin nicht konstruktiv, ich streite mich mit unsinnigen Gedanken.

Und weiß ganz und gar nicht, wie ich es schaffe, wieder ins Thema hineinzukommen.

Und morgen muss ich wieder zu meinem Professor.

Und kann ihm doch nicht sagen, dass ich dumm und unfähig und depressiv und antriebslos bin und sowieso keine Chance habe, das Studium zu schaffen.
Und dass ich erst recht keine Chance habe, dann noch ein Masterstudium zu schaffen oder womöglich später in diesem Bereich zu arbeiten oder gar zu promovieren.

Ja, der Kern ist, ich habe Angst vor der Zukunft und fühle mich perspektivlos, weil einfach jeder besser ist und schneller studiert und Chancen besser nutzt und man in meinem Bereich irrsinnig intelligent sein muss, um jemand zu sein.

Und statt mir das einzugestehen, denke ich übers Schneiden nach. Viel einfacher, bequemer, ablenkender.

Und vielleicht ist es ja nicht die Zukunft, sondern nur diese konkrete Herausforderung, dass mir alles, was ich schreiben könnte, so banal scheint, und alles, was nicht banal ist, verstehe ich nicht.

Vielleicht ist es ja nicht banal, es heißt ja, in Bachelorarbeiten kann man nichts Neues bieten, sondern nur ein bekanntes Thema geschickt zusammenfassen und in möglichst eigenen Worten. Und es eher darum geht, einfach mal Originalartikel zu lesen und verstehen. Und das habe ich ja getan.
Und jetzt, wo ich schreiben müsste, oder mich vielleicht ins nächste, darauf aufbauende Teilgebiet einzuarbeiten, stehe ich da und fühle mich dumm.

Und bin einfach raus aus dem Ganzen und sitze nur noch da und schiebe auf und streite mich mit meinem Schneidewunsch.

Verdammt, ich will raus aus diesem dämlichen Kopf, der mich jetzt so ärgert.

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