auf der Suche nach mir selbst

Ende der Betäubung

Im letzten Beitrag wusste ich nicht, wie es mir geht. Jetzt weiß ich, wieso. Ich war betäubt, habe einfach nichts mehr gespürt.
Und doch, anscheinend habe ich deutlich dekompensiert. Vor zwei Monaten wollte Frau Beraterin mich geheilt entlassen, diesmal meinte sie, es fehle ihr die therapeutische Erfahrung und ich solle mich mal auf die Suche nach einem richtigen Therapeuten machen. Man sieht es mir doch an, dass nicht alles super ist.

Und schon taucht dieses schreiende Etwas in meinem Kopf auf, und ich sitze im Zug zur Uni und würde mich am liebsten in der Ecke zusammenrollen und heulen und mich in Luft auflösen oder nach Hause in mein Bett beamen. Stattdesse drehe ich meine Musik lauter, und noch lauter, sie soll alles übertönen, schließe die beinahe tränenden Augen, und konzentriere mich auf die Instrumente und Stimmen.
Es ist so kalt draußen, ich zittere, und viel kälter ist es in mir drin.
Verzweifelt ziehe ich an meiner Zigarette, gehe erst langsam und steif, dann immer schneller, gehetzt. Laute Musik.
Mein Kopf spinnt, spuckt in kurzen Sequenzen Erinnerungen aus, dann Phantasien, wie ich mich schneiden könnte, dann beamt er sich völlig weg und ich sehe nichts, dann ist alles wieder ganz klar, gespenstisch klar, und alles zuckt so schnell an mir vorbei. Ich bin abwechselnd sehr präsent und weit weg.

Aber wenn ich jetzt zuhause geblieben wäre, dann würde das den ganzen Tag so weitergehen, also fliehe ich in die rettende Uni.
Erst mal auf Toilette einschließen, mich sortieren, zittern, langsam geht es besser.
In meinen Arbeitsraum setzen, kurz und unsicher grüßen.
Meinen Papierstapel vor mir ausbreiten und ratlos darin herumblättern, ein paar simple Berechnungen durchführen.
Meine Konzentration ist nicht überragend, aber langsam wird sie besser.
Hier kann mir niemand etwas tun, die Formeln sind jetzt mein Haltegriff, weiter, immer weiter, rechne um dein Leben.
Lass dem Schmerz keinen Raum, sieh, da liegt alles vor dir, das ist zu tun, das andere spielt jetzt keine Rolle, darf keine Rolle spielen.

Und plötzlich drin sein im Thema, plötzlich arbeite ich so konzentriert, dass ich fast vergesse, zur Übung zu gehen.
Schnell ein bisschen Papier, Stifte, greifen, und losgehen, mitschreiben, fast wahnsinnig werden, weil der Tisch wackelt.
Aber alles gut sonst.

Boch ein bisschen arbeiten, nein, ich muss raus hier, ich muss nach Hause, ich kann nicht mehr.
Den ganzen Tag ging es mir gut, nun wieder in der äußeren Kälte die innere Kälte ertragen, nicht wissen, was ich tun soll, gerne zusammenbrechen wollen, aber muss noch Handwerker reinlassen. Ich will nicht, aber ich muss..

Und heute, ein Tag danach.
Kalt, verwirrt, zittrig.
Nicht zur Uni geschafft, drinnen verkrochen.
Alles zuviel.
Geräusche im Hausflur, zuviel.

Ablenken wollen, weiterrechnen. Ich rechne im Kreis, tausendmal die gleichen Formeln zur Kontrolle.
Ich muss weitermachen, wie soll ich fertig werden.
Oder bin ich schon fertig, muss nur noch Klartext dazu schreiben?
Verwirrung. Verzweiflung.

Morgen setze ich mich wieder in die Uni.
Hoffentlich bekomme ich bald einen Schlüssel und kann mich auch am Wochenende dort verkriechen.
Zuhause klappe ich ein.
Dort auch.
Aber da kann ich vorher noch etwas tun, mich nützlich finden, Struktur haben.

Ja, Frau Beraterin hat recht, eine richtige Therapie könnte mir nur gut tun.

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