auf der Suche nach mir selbst

Bedienungsanleitung

ACHTUNG: KURZSCHLUSSGEFAHR! BEI UNVORSICHTIGEM BERÜHREN KANN DER STROMSTOSS UNS BEIDE VERBRENNEN!

Emotional unfähig: Bitte nicht per SMS, Facebook oder Email mit Emotionen, Zuneigungsbekundungen und Glückwünschen überfallen. Du weißt nicht, in welchem Zustand ich das lese, die Abblockgefahr ist groß.

Fokus: Nur wer anwesend ist, bleibt in meinen Gedanken existent. Deshalb halte in Zeiten, wo wir uns nicht sehen, sachlichen Kontakt per Mail mit Diskussionen über Literatur, Wissenschaft und vielleicht sachlichen Planungen, wann wir uns wieder sehen. Diese Art von Kontakt bin ich auch gerne bereit, von mir aus anzustoßen, bitte blocke mich nicht mit Emotionen ab.

Emotionsverzögerung: Manchmal nehme ich meine Gefühle nicht unmittelbar wahr, sondern muss lange in mir nachspüren, bevor ich sie klar zuordnen kann. Deshalb fühle dich nicht zurückgestoßen oder traurig, wenn ich in emotionalen Situationen plötzlich abschalte und anfange zu grübeln. Das ist nichts gegen dich.

Platzangst: Sexuell etwas traumatisierte Person. Wer sich mir in geschlossenen Räumen zu schnell nähert, löst Erstickungsgefühle aus, deshalb warte bitte ab, bis ich von mir aus die Initiative ergreife. Im Freien darfst du dich mir gerne nähern.

Bedürfnis nach Freiraum: Wenn du mich mit zu fordernder Anwesenheit erdrückst, werde ich dich wegstoßen wollen. Ich brauche manchmal Zeit für mich, um nachzudenken und runterzukommen. Bitte gestehe mir diese zu und halte Abstand, wenn ich es dir sage. Du machst mir das einfacher, wenn du nicht den Eindruck erweckst, dass du meine Präsenz benötigst, sondern dich selber beschäftigen kannst.

Ehrlichkeit: Ich weiß, dass ich manchmal sehr kompliziert sein kann. Bitte nimm das nicht unkommentiert hin, sondern sag mir, wenn dich das nervt, ich brauche manchmal eine klare Grenze, an der ich mich spüren kann. Und außerdem spüre ich, wenn du unzufrieden bist, das löst dann gerne Selbsthass in mir aus. Also bitte sprich alles an, was dich stört, selbst wenn ich dann wütend werde. Lass es nicht zwischen uns stehen.

Ich und Wir: Mir fällt es sehr schwer, gleichzeitig ein Ich- und ein Wir-Gefühl aufrecht zu erhalten. Wenn du also zu schnell ein Wir forderst, bekomme ich Panik, dass ich darüber mein Ich verliere und alleine gar nicht mehr existieren kann. Bitte lass und Zeit, ein Wir zu entwickeln, das ein Ich mit einschließt.

Protokoll: Oft interessiere ich mich für Menschen, die ähnlich verletzt sind wie ich, und verstehe mich anfangs hervorragend mit euch. Dann kommt aber ein Punkt, wo du dir Mühe geben willst, normal zu wirken, damit ich dich nicht abstoßend finde, und möchtest einem angelesenen Date-Protokoll folgen, das aus deiner Sicht für Frauen essentiell ist. Dann verbiegst du dich und trinkst dir sogar noch Mut an. Wir müssen diesem Protokoll nicht folgen, bleib weiter du selber, ich habe ähnliche Angst vor diesem Protokoll wie du, deshalb wird es uns eher trennen als zusammenschweißen.

Alkohol: Ich trinke gerne, weil ich die aufgelockerte Stimmung und die veränderte Wahrnehmung mag, aber meist bekomme ich anstelle eines Katers einen extremen Stimmungsabfall und muss nahezu übermenschlichen kämpfen, um die Tage danach nicht massiv emotional einzuknicken. Deshalb kann es irgendwann zwischen uns stehen, wenn du zu oft etwas Alkoholisches mitbringst und mich dazu überredest, das mit dir zu trinken. Ich meide es ansonsten nach Möglichkeit ganz, da die Nachwirkungen mir meinen Alltag zu sehr erschweren.

Routinen: Morgens bin ich oft schlecht gelaunt und fühle mich überfallen, wenn du dann schon schmusen möchtest. Meine Stimmung ist erst dann wieder stabil, wenn ich mich ins Bad zurückgezogen habe und meine Morgenroutine hinter mich gebracht habe. Wenn ich daran gehindert werde, bin ich den ganzen Tag reizbar und fühle mich nicht richtig anwesend und fähig, menschliche Gesellschaft zu ertragen.

Problembewusstsein: Anfangs erwecke ich gerne den Eindruck, dass ich fröhlich und unkompliziert bin, aber wenn ich mich einmal öffne, dann kann es sein, dass ich dich mit meinen vielen Problemen überfordere. Wechsle notfalls das Thema oder grenze dich ab und sag mir, wenn das zuviel wird. Ich kann dich nicht mehr achten und wertschätzen, wenn du deine eigene Persönlichkeit verleugnest, dann wird meine Liebe zu dir sehr schnell in Verachtung umschlagen. Und selbst wenn ich dir sehr viel anvertraue, ich möchte nicht nur darüber diskutieren und wie man das ändern kann, sondern mit meinen positiven Seiten wahrgenommen werden. Die Probleme kann ich weitestgehend selber in Schach halten, außer ich bitte dich explizit um etwas. Und manches möchte ich vielleicht gar nicht ändern, akzeptiere auch das.

Vor allem: Bleib du selber und lass auch mir die Möglichkeit, ich selber zu bleiben. In zu großer gekünstelter Harmonie wird sich unsere Beziehung ganz schnell auflösen.

Ich weiß nicht, ob diese Bedienungsanleitung schon vollständig ist. Manchmal denke ich darüber nach, sie Menschen zu geben, die Interesse an mir zeigen. Dann würde es vielleicht weniger Probleme geben. Vermutlich traue ich mich nicht.
Aber vielleicht sind auch die genannten Dinge so widersprüchlich zu einer funktionierenden Beziehung, dass ich es besser lasse und noch einige Jahre abwarte, bis vielleicht einige Wunden geheilt sind.

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Eine Antwort

  1. Verlockende Idee, würde vieles vermutlich vereinfachen und die Menschen gleich aussortieren die mit einer etwas anderen Art nicht umgehen können, oder es einfach nie verstehen werden. Ich mag deine Ehrlichkeit und finde mich in deinen Worten oft wieder.

    07/08/2014 um 00:08

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