auf der Suche nach mir selbst

Rote Mondsichel

Draußen schimmert der Mond am Nachthimmel, rötlich, sichelförmig.
In mir drin ist Chaos.

Er will wieder zu mir kommen, mich in neue Verwirrung stürzen.
Tränen verflüssigen meine Augen, irgendetwas in mir möchte stattdessen Blut herabrinnen lassen, rotes Blut.

Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, ich habe ihm eine abweisende und doch zustimmende Mail geschickt, ich war gemein, und doch würde ich alles jetzt sofort wiederrufen wollen.

Ich will mir wehtun, ich will ihm wehtun, und doch will ich nur eine glückliche lebendige Nacht mit im verbringen, rausgehen, flirten, den Zauber alter und neuer Zeiten in mir erwecken.

Und da sind Erinnerungen, an Exfreunde, an Partys, auf denen ich getanzt und geküsst habe.
Mein erster Freund, mit dem ich nach der Trennung noch geschrieben habe, als ich im Ausland war, als es mir schlecht ging. Und der bereit war, sofort zu mir zu fliegen, falls ich sagen würde, das könnte helfen.
Mein Auslandfreund, mit dem ich nie richtig zusammen gekommen bin, und der mir doch immer ein Trost und ein leuchtender Stern war und der so gut meine Emotionen erkennen konnte.
Der letzte Abend mit meinem Ex, mit dem ich die Trennung ausdiskutiert habe und als alles geklärt war, sind wir noch zusammen etwas trinken gegangen, hatten so viel Spaß wie nie zuvor in der Beziehung, weil wir über all unsere Schwächen scherzen konnten, statt Wege zu finden, damit umzugehen.

Einsame traurige Nächte am Fluss, als ich Lieder vor mich hin gesummt habe, die heute noch die ganze Leere von damals transportieren.

Meine Freundin, die mich warnt vor Kerlen mit schlechtem Ruf.

Die Tagung, als wir alle abends zusammen etwas trinken gingen, als ich mit jedem sprach, während er neben mir saß und mir irgendwie Schutz gab, und der mich dann noch auf einen Tequila eingeladen hat.

Männer, und Alkohol, irgendwie gehört das alles unverrückbar zusammen.
Und beides macht mir Angst, zerstört mich, und doch ist eine solche Sehnsucht in mir drin.

Ich berühre sie, und dann lasse ich zu, dass sie mich berühren, und sie schmerzen an der Haut meiner Seele, und ich werde überempfindlich.

Meine reale Haut juckt auch, ich bekomme eine Schwellung am Hals, meine Beine geben mir das Gefühl, sie sind völlig überladen mit Enpfindungen.

Alles zuviel, ich weine, möchte mich in den Schlaf krampfen, und einsam sitze ich am Fenster, starre die rote Sichel an.

Sie alle wollten mich berühren, und ich kann es nicht ertragen.

Er, der so fordernd und selbstbewusst ist, und doch so empfindsam, er ist mir zuviel. Zu real, zuviel Person.

Und dann die schemenhaften Gestalten, die ich nur im Rausch berührt habe. Nicht nur im Alkoholrausch, oftmals war ich völlig nüchtern, nur berauscht von Musik und Lichtern und Berührung.

Und dann der, den ich aus einem anderen Zusammenhang kenne, so ätherisch, unberührbar, den ich nur mit Worten berührt habe.

Manchmal denke ich, ich muss das alles trennen, einen Seelenfreund haben, mit dem ich hölzern, sachlich, reden kann, und ihm zauberhafte Mails schreiben. Und einen, der mit mir die verrückten Abende verbringt, einer, der sich aus meinem Alltag heraus hält, der mein Leben nicht zerbricht und mich angreifbar macht.

Und doch kann ich diese ganzen verwirrten Gedanken nicht trennen, sie laufen alle gleichzeitig in meinem Kopf ab, es wird keine rationale Entscheidung werden, vermutlich entscheide ich mich dagegen und lasse ein kleines Schlupfloch, und irgendwann fasse ich doch wieder in die Flammen und verbrenne mich.

Fühle heiße Schmerzen.

Doch für heute bin ich allein in meinem Zimmer, weine mich in den Schlaf, versuche zu vergessen, dass ich gerne wieder zur Klinge greifen würde, was ich schon so lange nicht mehr brauchte.

Und oben drüber scheint der Mond, unberührt von allen Gedanken, rötliche Sichel.

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