auf der Suche nach mir selbst

Archiv für Februar, 2013

Stärke in Watte

Still war es hier wieder.
Was sollte ich auch schreiben.
Ich war so unentschlossen, wusste nicht, was mit meiner Zukunft und meinem Leben anzufangen, versuchte einen Traum zu leben, der schon in Unwirklichkeit versunken ist, und bin selber immer weiter in die Unwirklichkeit abgedriftet.
Mit anderen sprechen, eine Persönlichkeit darstellen, war so schwer. Und meinem Verstand konnte ich nicht mehr trauen, ich wusste nicht, ob ich nicht langsam verrückt werden würde.
Wenn sich manchmal die Realität einfach wegzoomte, Kilometerweit entfernt war.
Und dann war letztes Jahr so viel Stress, ein Job, den ich machte, um mir meinen Traum zu finanzieren, der mich kaputtmachte, und der Traum verkam auch zu einem Alptraum.
Und mein wahres Ich lag schreiend am Boden, während mein Zombie-Ich einfach irgendwie weiter funktionierte.
Und ich wieder einmal versuchte, mich kaputtzukotzen, weil mir mein Leben so sinnlos erschien.
Und ich dachte mir, ich sei ein hoffnungsloser Fall, wollte mich freiwillig in die Geschlossene einweisen lassen, weil das ja so keinen Sinn mehr machte. Aber ich kam wegen Überbelegung nicht sofort rein. Und ein paar Tage später, als ich einen Platz gekriegt hatte, wollte ich nicht mehr.
Da habe ich angefangen, nachzudenken, und einen Rest von Stärke auszugraben, wieder angefangen, mein Studium zu Ende zu kriegen, habe mich wie eine Besessene in die Lernerei gestürzt und dann nachts von Formeln und Zusammenhängen geträumt.
Und ich kam näher an die Realität, ich konnte wieder mit anderen Menschen sprechen, über mein Studium, über meinen Nebenjob, tagsüber ging es mir gut. An freien Tagen wieder die Abstürze, innere Starre, nicht reden können, keinen Antrieb haben, Isolation, Bulimie.
Aber irgendwie lief es.
Zum Semesterende wurde es schwieriger, ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr, aber ich habe es dann irgendwie total auf Sparflamme doch noch durchgezogen, zwar viel zu wenig gelernt, aber mich gezwungen, immerhin zu den Klausuren hinzugehen.
Und wenn ich wieder den Verstand zu verlieren schien, dann habe ich die Watte ausgepackt. Aufgehört zu schlafen, tagelang, bis ich alles nur noch durch einen Nebel wahrnahm, der alle unangenehmen Gefühle abtötete. Und dann einfach blind das gemacht, was nötig war.
Gelernt, zur Uni gegangen, Verabredungen getroffen, mich um Nebenjobs gekümmert. Und irgendwann ins Bett gefallen und im Schlaf alles vergessen. Und dann wieder so lange nicht schlafen, bis die Emotionen mich nicht mehr ärgern konnten.
Im Hintergrund immer der starke Wille, dass ich es jetzt durchziehe, dass ich mein Studium packe, dass ich Freuindschaften halte, dass ich nicht nur in meine Nebelwelt gehöre, sondern auch in unsere gemeinsame Realität.
Ich bin ein Zwitterwesen, ich sehe das Verborgene, aber ich bin nicht darin gefangen, ich kann auch hier jemand sein, und meine Aufgabe ist es, zu vermitteln und übersetzen, Probleme zu verstehen, aber nicht von ihnen gefesselt zu sein.
Ich suche meine Freiheit, meine innere.
Ich bin so oft gefangen in mir selber, kann Dinge nicht tun, Tatsachen nicht aussprechen, die mir doch so wichtig sind.
Und doch habe ich auch einen starken Kern, der genau weiß, was er tut, der Ausstrahlung und Selbstbewusstsein hat, und einen Sinn für das, was zu tun ist, einen Sinn für Träume, die ich verwirklichen will.
Vielleicht kann dieser Kern ja endlich meine Watteschicht durchbrechen, nach außen strahlen, mich lebendig machen.
Auf dass mein Zombiedasein endlich ein Ende hat.

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