auf der Suche nach mir selbst

Archiv für Mai, 2012

Freundschaft

Es geht mir schlecht. Ein geliebtes Tier ist schwerkrank.
Ich schreibe einer Freundin, mit der ich später noch verabredet bin, eine Nachricht. Kann nicht kommen. Muss zum Tierarzt.
Und sie ist für mich da. Sie ruft mich an, fragt nach, kommt mit zum Tierarzt. Schaut sich das Entsetzliche mit an, hilft, wo sie helfen kann.
Und eine andere Freundin schreibt mir, ob sie nach der Schicht noch vorbeikommen soll, zum trösten und ablenken. Abends um zehn.
Sie kommt, schließt mich wortlos in die Arme.
Sieht sich das kranke Tier an, guckt traurig.
Und fasst mich dann am Arm, nimmt mich mit auf einen Spaziergang, redet, lässt mich reden, ist einfach da.

Das ist neu für mich.
Freundschaft, bedingungslose Freundschaft.
Menschen, die für einen da sind, auch in schlechten Zeiten.
Nicht nur, um gemeinsam ins Cafe zu gehen und Smalltalk zu halten, zu lachen und fröhlich sein.
Diese einfachen Gesten, diese Umarmung, das hat so viel für mich bedeutet.
Die ganze Welt war es für mich.
Und so hatte selbst diese unendliche Leid einen Sinn, hat mir einen kleinen Lichtblick beschert.
Ich bin wichtig für Menschen.
Dieses Gefühl, das kann mir niemand mehr nehmen, dafür will ich leben und weiter nach einem Sinn suchen.
Das ist Leben. Nicht mehr einsam sein, sondern Gemeinschaft spüren.

Menschen, die ich erst seit wenigen Monaten, wenn überhaupt, kenne.
Sie haben mich gesehen, in ihren Kreis aufgenommen.

Wird man so empathisch, wenn man selber Probleme hat?
Hätte ich diese Menschen kennengelernt, wenn ich ganz gesund wäre?
Hätten sie erkennen können, was mit mir los ist, wenn sie nicht selber schon durch die Hölle gegangen wären?
„Du lächelst immer so viel. Auffällig viel. Aber deine Augen lachen niemals mit.“
Sie hat mich angesprochen, stundenlang mit mir geredet.
Über ihre eigenen Erfahrungen berichtet, ihre Suizid-Versuche, ihren Klinik-Aufenthalt.
Und mir zugehört, nach und nach immer mehr von mir erfahren. Tastend, vorsichtig, und dennoch zielstrebig. Anderen hätte ich nie so viel von mir anvertrauen können.

Ein echter Mensch, keine anonymen Kontakte im Internet, die schon viel von mir gelesen haben, die wissen, worauf sie mich ansprechen müssen, weil sie einen Ansatzpunkt haben.
Nein, sie hat es selber gemerkt, und sie war immer da.

Es macht mich froh, und ich weiß, dass ich nicht allein auf der Welt bin, nicht allein mit all meinen Gefühlen und all dem, was so schwer auszusprechen und so schwer zu verstehen ist.
Sie ist da.

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