auf der Suche nach mir selbst

Archiv für Februar, 2010

Essen als Spiegel des Lebens

Ich mache mich jetzt auf Spurensuche, wie mein Essverhalten in den 3 Semestern meines Studiums mein Verhalten im Studium wiederspiegelt, vielleicht finde ich ja dann heraus, womit ich am besten leben kann.

1.Semester
Von Orthorexie bis Schokosucht: Super Start und durchwachsenes Ende

Im ersten Semester habe ich ernährungsmäßig ultragesund angefangen und war hochmotiviert. Ich wollte gut sein dieses Semester, besser als in der Schule, ich wusste, dass ich intelligent genug war.
Ich habe wenig gegessen, viel Obst und Gemüse, und sehr darauf geachtet, auch zu den Hauptmahlzeiten sehr gesund zu essen. Aber ich habe nicht extrem mager gegessen, nahm zum Beispiel sehr gern Olivenöl zu meinen Mahlzeiten. Ich machte täglich direkt nach dem Aufstehen zehn Minuten Yoga und ging den Berg zum Universitätsgebäude meist zu Fuß rauf und runter.

Ich war topfit, fühlte mich wohl und sah gut aus. Ich nahm etwas ab, aber nicht besorgniserregend, ich war eher vorher zu üppig.

Allerdings wurde das Studium immer stressiger. Meine neue Freundin aß viel Schokolade als Stressfutter und bot mir immer wieder welche an.

Gleichzeitig hielten mir meine Eltern vor, ich sei zu dünn.
Also fing ich an, Schokolade zu essen, nahm natürlich wieder etwas zu. Es hielt sich aber im Rahmen, dennoch kam ich immer schlechter ohne Schokolade aus, vor allem eben bei Stress.

Es half natürlich nicht wirklich. Ich verbrachte wieder mehr Zeit damit, zu essen, als damit, etwas für die Uni zu tun.
Meine Leistungen waren durchwachsen, ich hatte vier Vorlesungen, und für die bekam ich dann Noten von 1 bis 4.

Also manches gut, manches eben nicht.
Zu Beginn des Semesters, als ich mich gesünder ernährt hatte, waren meine Leistungen besser.
Und ich hatte nun den Hunger auf Schokolade am Hals.

2.Semester
Bulimie: Leben in glitzernden Scheinwelten, bis die Wände platzen

Dieses Semester aß ich von Anfang an viel mehr als das vorherige, aber ich trieb auch mehr Sport. Ich verbrachte ungefähr jeden Tag 1-2 Stunden mit Hochschulsport, habe mich für fast jeden Lehrgang in dem Bereich angemeldet.

Ich lebte dieses Sportleben, aß dann aber zuhause oder unterwegs alles, was ich kriegen konnte, auch sehr viele Süßigkeiten. Ich trainierte aber alles wieder ab, ich musste nicht oder nur selten kotzen. Ein paarmal habe ich mich mit Essen im Wald versteckt, habe gestopft und hatte dann Freiraum zum Erbrechen, aber da ich es nicht wirklich hingekriegt hatte, machte ich halt eben noch mehr Sport.

Ich, Langzeitsingle, hatte einen Freund. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm, stellte ihn aber nie meinen Eltern vor. Das Leben mit ihm und das Leben zuhause waren voneinander getrennt. Ich log auch häufig, um die Trennung aufrechtzuerhalten, so dass ich die Zuhausewelt und die Freundhabewelt auch noch managen musste.

Und dazu die Uniwelt.
Ich tat manchmal viel fürs Studium, aber die Zeit war knapp.
Ich war immer auf Volldampf. Beim Fressen und beim Sport reagierte ich mich ab. Schlaf bekam ich wenig, musste ich doch noch Zeit für meinen Freund erübrigen.

Ich bekam in einem Fach nur knapp die Klausurzulassung, doch ich schaffte es.
In allen anderen Fächern war dies mein bestes Semester, ich schaffte Spitzennoten.
Aber eine Arbeit, die ich erst nach Semesterende abgeben sollte, machte ich nicht mehr.

Ich trennte mich von meinem Freund und hatte den Wunsch, auszuwandern. Zumindest wollte ich die Uni wechseln.
Alles fiel mir auf den Kopf, ich hatte alles satt.
Statt auszuwandern, machte ich nur einige Wochen Urlaub im Ausland.

Und blieb doch an meiner alten Uni.

3.Semester
Fressen, Fressen, Fressen: Betäube den Frust und spiele das patente Superweib

Ich fraß nun alles in mich hinein, hatte keinen Bock mehr auf Anstrengung, dachte, ich würde das Studium sowieso nicht schaffen.

An Diäten hatte ich die Lust verloren, an Sport auch. Ich stopfte und stopfte, wurde dick und frustriert.
Ich stopfte auch meinen Stundenplan voll, um ja nicht nachdenken zu müssen. Machte zig Extrafächer.
Trotzdem verlor ich die Lust, wurde depressiv.

Für mein eigenes Studium tat ich nicht mehr viel, aber ich half anderen.
Wenn wir Übungen zusammen abgeben durften, machte ich sie, um meiner Freundin ihr Studium nicht zu verderben.
Ich half meiner Schwester bei den Hausaufgaben.

Sonst machte ich nichts.
Ich hasste mich, weil ich fett und doof und faul war.
Und betäubte mich mit Essen, konnte nicht aufhören.
Alle Extravorlesungen brach ich ab, sie waren ja eh nicht Pflicht.
Die Pflichtsachen schaffte ich geradeso.

In einer Klausur wurde ich nur durch Zufall zugelassen und bestand sie auch nur zufällig, eine andere war erstaunlich gut, weil ich gerade mal einen Tag motiviert war und gelernt habe, das reichte da schon. Ok, befriedigend, aber für ein Semester, in dem ich geistig immer abwesend war…

Und wie wird nun das 4. Semester???

Ich habe das in der Hand.
Im 2.Semester war ich am Besten, aber ich gab auch alles.
Es nahm mir die Kraft fürs dritte Semester. Das möchte ich so nicht noch einmal durchmachen.

Wenn ich entscheiden kann, halte ich mich an den Beginn des ersten Semesters.
Alles, was mir schadet, lasse ich weg.

Habe ich die Kraft?
Kann ich das gegen andere durchziehen? Mich nicht von Schoki verführen lassen und nicht absichtlich zu viel fressen, damit ich nicht zu dünn wirke?

Gut, um zu dünn brauche ich mir keine Sorgen zu machen, ich habe noch genug Fett vom dritten Semester übrig.

Ich starte wieder durch!!!

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Chamäleon

Ich habe schon einiges über Süchte und Störungen geschrieben, jetzt möchte ich einmal herausfinden, inwieweit ich eigentlich selber betroffen bin.

Wenn man mich fragt, ob ich nach etwas süchtig bin, kann ich direkt so einiges aufzählen.

*Lesen
*Computer und Internet
*Essen
*Hungern
*Sport
*Schreiben
*Schokolade
*depressiv in der Ecke liegen und mich nach dem Tod sehnen
*Musik (manchmal bestimmte Lieder)
*allein sein

Und doch kann ich auf alles davon verzichten. Ich bin nicht nach etwas bestimmtem süchtig, meine Sucht ist an keinen Stoff oder eine bestimmte Verhaltensweise gebunden. Und dennoch, ich kann auch nicht ohne.

Meine Süchte sind austauschbar, aber wenn ich in einer akuten Suchtphase drin bin, dann kann ich nicht anders, kann nicht aufhören, werde hibbelig, wenn ich darauf verzichten muss.
Doch wenn ich zu auffällig werde, wenn jemand aus meiner Familie oder meinen Freunden mich drauf anspricht, ich kann schlagartig damit aufhören und alles verneinen.

Aber der Drang, etwas Süchtiges zu tun, ist damit nicht weg, ungefähr einen halben Tag später fange ich an, etwas anderes obsessiv zu tun.

Wenn ich zum Beispiel gerade an einem Buch hänge, dann kann ich einfach nicht aufhören, ärgere mich, wenn ich zur Uni muss und dafür aufhören zu lesen, und wenn ich dann das Buch aushabe, ist es, als ob aus einem Luftballon die Luft gelassen wurde, ich fühle mich dann komplett leer und trostlos.

In einer schlimmen Essphase habe ich mich mal geweigert, irgendetwas zu unternehmen, weil ich dafür keine zwei Stunden aufs Essen hätte verzichten können.

In meinen Hungerphasen habe ich bis zu 8 Tagen überhaupt gar nichts gegessen oder mal ein paar Monate nur Obst.

Wenn aber jemand meint, dass ich auffällig dünn bin, dann freu ich mich zwar, möchte aber nicht als essgestört gelten und fange wieder an zu fressen.

Ich bin extrem suchtgefährdet, lebe aber keine Sucht so intensiv aus, dass man mich offiziell als krank bezeichnen könnte.

Ich bin vollkommen unauffällig, bin ein Chamäleon, das so im Leben untertaucht.

Ich bin unsichtbar.


Überfluss

Ich lebe in einer für mich ungünstigen Gesellschaft, in der Überflussgesellschaft.
Ich komme mit Überfluss nicht klar. Überfluss überfordert mich. Überfluss bringt mich noch um.
Ich kann sehr gut mit wenig essen leben, doch dann kommt ein Tag, an dem ich allein zuhause bin. Ich öffne den Schrank, alles voll mit Süßigkeiten. Verschiedene Süßigkeiten, ich kann mich nicht entscheiden, nehme mehrere Sorten, stopfe und stopfe.

Oder ich gehe in einen Laden, habe Geld mit und zuviel Zeit. Ich sehe die Regale, kann mich nicht entscheiden, was ich kaufen soll. Entweder ich kapituliere vor dem Angebot, kaufe gar nichts, oder ich kaufe zuviel.
Es kann sich um Essen handeln oder um Klamotten, gar kein Unterschied.

Familienfest. Gemeinsames Essen. Zuviele unterschiedliche Sachen. Zuerst mag ich gar nichts essen, dann lege ich los, nehme mir immer noch mehr.

Ich bekomme Bücher geschenkt. Ich kann mir nicht aufteilen, diese über ein paar Monate verteilt zu lesen. Ich lese und lese, bis ich fertig damit bin.

Ich bin unersättlich, auf Essen, auf Bücher. Allein in einer Wüste würde ich mich wohler fühlen.

Ich kann mich selber in eine Wüste verfrachten, kann ganz klare Regeln aufstellen, was ich essen darf, was ich lesen darf, was ich kaufe. Und mich daran halten.

Bis mich jemand dazu zwingt, etwas zu essen, das nicht im Plan war, mir wohlwollend ein Buch leiht, das ich lesen soll. Und dann lege ich wieder los, kann nicht aufhören.

Mein Zimmer ist nicht ordentlich. Ich habe zu viele Sachen. Immer wenn mir jemand etwas schenkt, nehme ich es. Und stopfe es in mein Zimmer.

Alles voll.
Chaos.

In der Steinzeit käme ich besser zurecht.
Mein Sammlertrieb, mein Esstrieb, solange etwas da ist.
Meine Genügsamkeit, wenn die Versuchungen weg sind.
Alles überlebenswichtig.

Und hier wird es mir zum Verhängnis.


Ich möchte nicht vor etwas davon, sondern auf etwas zulaufen

Dieser Spruch ist so wahr.

Solange ich vor meinen Gefühlen, meinen Depressionen, meinen Essproblemen davongelaufen bin, ging es mir schlecht.

Jetzt laufe ich wieder auf etwas zu, lerne gerade html, mache mir eine neue Homepage, habe eine Klausur geschafft, habe ein Jobangebot erhalten, das es mir vielleicht ermöglicht auszuziehen und gehe mit meiner Mutter einkaufen, schon geht es mir wieder besser.

Ich fühle mich nicht so umgehauen, nicht so tot, ich bin wieder jemand.


Weg zum Ich

Mit so großen Vorstellungen habe ich dieses Blog angefangen. Ich stand auf einem Berg, wollte auf die Suche gehen, nach mir, nach dem, was mich ausmacht. Und bin abgetaucht.

Ich stand auf dem Berg meiner Kindheit, vor mir lag ein tiefer Graben, gefüllt mit Dämonen. Diesen wollte, musste ich durchqueren, um den Berg auf der anderen Seite zu erreichen, den Berg meines wahren Ichs.

Und ich bin mutig in den Graben gesprungen, wollte schnell hindurch…

Und wurde umklammert von den Dämonen, wurde tiefer und tiefer in deren Bannkreis gezogen. Wurde blind, konnte nicht mehr sehen, auf welchen Berg ich wollte. Bin manchmal am Fuße meines kindischen Berges gelandet, wurde wieder in die Tiefen gezerrt, wusste nicht mehr, wer ich war. Strengte alle Kräfte gegen die Geister an, verlor immer wieder.

Manchmal konnte ich den Berg ein Stück hinaufsteigen, rutschte wieder ab, oder wurde geschubst. Landete wieder im dunklen Schlund.

Ja, ich kämpfe, suche weiter, aber manchmal fehlt mir die Klarheit. Ich stoße die Dämonen zurück, kann fliehen, aber ich weiß nicht, wohin, habe das Ziel verloren. Ich sehe manchmal Visionen des Zieles, aber manchmal auch nicht, Leere, Orientierungslosigkeit.

Seit ich suchen wollte, suchen gegangen bin, bin ich verwirrter als je zuvor, weiß nicht, welche
Identität ich habe. Manchmal wünsche ich mir Wegbegleiter, aber manchmal stehen mir alle nur im Weg, versperren mir die Sicht, hinter ihnen verstecken sich die Dämonen.

Ich möchte allein sein, es würde ein harter, aber offener Kampf. Ich könnte klar erkennen, wer ein Gegner ist und wer ein Freund. Manchmal verwischen hier die Linien.

Ich suche weiter.