auf der Suche nach mir selbst

Archiv für Januar, 2010

Stell dir vor, du änderst dein Leben und keiner kriegts mit

So ging es mir heute morgen.

Eigentlich wollte ich in diesem Eintrag darüber schreiben, dass Frauen, wenn sie was ändern wollen, immer mit ihrer Frisur anfangen.

Oder wie in meinem Fall mit der Haarfarbe. Ich habe mir also über Nacht ein hübsches Hennarot in die Haare gefärbt, mit einer Spezialmischung aus verschiedenen Rot- und Braun- Tönen und neutralem Henna.
Da ich es zu eilig hatte, um noch Zeit für eine Probesträhne zu finden, war der Ton auch für mich eine Überraschung.

Heute morgen habe ich mir dann als erstes das ganze Zeug aus den Haaren gewaschen und die Haare geföhnt, dann sah ich das Ergebnis: Ein schönes natürliches Rot, ist genauso geworden, wie ich es wollte, seit mir ein Computerprogramm bei der Autokorrektur einmal genau diese Haarfarbe verpasst hatte.

Dann kam ich in die Küche, um mich das erste Mal mit der neuen Farbe vor anderen zu zeigen. Ich grüße meine Mutter und gehe davon aus, dass man so einen leuchtenden Ton wohl bemerken muss, aber nichts. Meine Schwester kommt rein, sagt, ja genau, nichts. Mein Vater nimmt mich im Auto mit, aber merkt auch nichts.

Neues Leben, aber die sichtbare Symbolik bemerkt keiner. Was mache ich, wenn auch meine sonstigen, versteckteren Änderungen keiner erkennt?

Was ändert sich, wenn alle mich genauso wie vorher sehen? Ich ändere mich, das kann mir keiner nehmen.

Wenn niemand mich bemerkt, dann ziehe ich mein Ding eben allein durch.

Und genau da muss ich eben vorsichtig sein, in meinem neuen Leben möchte ich offener sein, mehr auf andere zugehen, mich eben nicht mehr abgrenzen.

Wie mache ich das, wenn keiner mitmacht, alle denken, ich bin noch die, die sich selber ausgrenzt, und mich nicht mehr reinlassen?

Ich weiß, ich habe trotzdem mich, ich fühle mich anders, ich kann ich sein, und wenn ich die bin, die ich bin, dann habe ich mein Leben. Das Gefühl kann mir keiner nehmen.

Und wenn ich weitermache, geht es gar nicht anders, als dass irgendwann mal jemand was bemerkt. Und wenn sie es nicht bewusst merken, sondern ganz langsam anders werden, dann ist das auch nicht schlimm.

Doch, als Mensch lebt man auch von Interaktion, wenn keiner bemerkt, wer man ist, ob man anders ist, ob man im gleichen Trott hängenbleibt, dann ist das schlimm.

Und solange man nicht als Ich gefestigt ist, kann das ganz viel kaputtmachen. Ich wünsche mir viel mehr Aufmerksamkeit von anderen Menschen, dass die auch merken, wenn ich mich ändere.

Doch eben dazu müssten sie sich auch ändern, sie sind in ihrem alten Trott gefangen und kommen da nicht raus. Wenn ich aus meinem ausbreche, muss ich das eben akzeptieren, dass andere nicht automatisch auch rauskommen.

Das ist wie bei Platon mit dem Höhlengleichnis, wenn da mal einer aus der Höhle rausgeht, kommen die anderen nicht mit, sondern verstehen ihn hinterher noch viel weniger.

Und trotzdem darf ich nicht als der Einzelgänger enden, der aus der Höhle herausgeht und sich deshalb auch besser als anderen fühlt, ich darf nicht arrogant werden, nur weil ich mich ändere, denn eben das soll meine Änderung sein, dass ich von meinem Berg der Einsamkeit und Ausgrenzung herabkomme und versuche, ein Mensch zu werden, nicht mehr jemand, der in seinem eigenen Universum alles ist, gottgleich ist und in der realen Welt nichts.

Ich werde ein Mensch, und wenn es auch nur eine Person merkt, habe ich mich nicht umsonst bemüht.

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Wochenende- Freiraum für den Wahnsinn

Kennt ihr das? Es ist Wochenende, und man hat zu viel Zeit.

Zeit, um über das Leben nachzudenken. Soviel Zeit, dass man wieder erkennt, man muss im Leben etwas ändern. Freiraum, um alle Lebenspläne zu ändern, Zeit genug, um das Studium in Frage zu stellen.

Und das Verrückte ist, eigentlich hat man gar keine Zeit, eigentlich muss man Übungszettel bearbeiten, das Zimmer aufräumen, sich die Nägel schön machen, alte Vorlesungen nacharbeiten, Kontakt zu Freunden und Familie halten oder ähnliches mehr.

Stattdessen setzt man sich vor den Computer und fängt an zu suchen. Nach neuen Jobchancen, Tipps, wie man das Leben ändert, Jobs, Wohnungen, schreibt Anfragen für Praktika, überlegt, mal selber ein Buch zu schreiben, schaut verrückte Videos in irgendwelchen Portalen oder man wird zum Hypochonder und informiert sich über Krankheiten und Depressionen.

Alles nur, weil man seine eigene Zeit nicht sinnvoll einteilen kann.

Manche Sachen, die man so findet, sind echt motivierend, dann hat man direkt Lust, auch mal etwas zu machen, endlich von den Eltern wegziehen, Leben selbst in die Hand zu nehmen, Joggen zu gehen, …

Aber man bleibt sitzen, man hat ja noch nicht alle Einträge durchgeguckt.

Ja, Internet kann einen echt verrückt machen, und süchtig. Klar, dass man sich irgendwann über sich selbst ärgert, dass man seine Zeit so verplempert, und davon ganz krank aussieht. Natürlich auch vom Stubenhocken.

Wenn das einem noch jemand aus der lieben Familie sagt, ist der Tag natürlich gelaufen. Ist ja immer sehr schön zu hören, du siehst krank und unglücklich aus.

Also, zum Teufel mit den Verlockungen von Internet und Computer. Sowas machen auch nur Leute, die weder Freunde noch Hobbys haben, Bestätigung mit blöden Einträgen in Foren suchen oder mit Berichten vom Scheißleben um Mitleid buhlt.

Oder man belustigt sich über dämliche Einträge von kleinen Kindern auf dämlichen Homepages und in verrückten Foren.

Also, Internet bietet ganz neue Möglichkeiten und Dimensionen, um sich selbst verrückt zu machen, Zeit zu verplempern, Kontakt aufzunehmen und trotzdem zu vereinsamen, soziale Fähigkeiten zu verlernen.

Man muss sich ja nach keinem mehr erkundigen, man guckt einfach auf dessen Internetseite nach. Man weiß alles und kennt keinen mehr richtig, schönes Neues Leben.

Und ich ziehe so über das Internet her, denn alles, was ich oben aufgezählt habe, mache ich selber. Und davon geht es mir nicht besser.

Ich freu mich zwar immer aufs Wochenende, wenn ich unter der Woche Stress habe, aber eigentlich bin ich in der Woche psychisch stabiler.

Mache mich nicht selber verrückt, habe dazu keine Zeit. Auch fange ich dann seltener sinnlosen Streit mit Familienmitgliedern an, was mich wieder über den Sinn von Familie nachdenken lässt.

Und denke nicht darüber nach, wofür ich selber da bin, eine Zeitverschwendende Verrückte.

Nein, in der Woche habe ich keine Zeit, da bin ich normal, mein Wahnsinn kommt am Wochenende.


Kalter Krieg

Jetzt ist Weihnachten, man sollte meinen, eine friedliche und besinnliche Zeit, aber nein, bei uns tobt der kalte Krieg.

Jeder beharrt auf seiner Meinung und möchte keinen Millimeter aufeinander zugehen, trotzdem wird aber die friedliche Fassade bewahrt und nur durch kleine subtile Andeutungen merkt man, dass wir im Kriegszustand sind.

Opa mag den Hund nicht und erlaubt nicht, dass dieser beim Wehnachtsbesuch mitkommt, Mama mag den Hund sehr und bleibt extralange zuhause, damit er nicht alleine ist und natürlich auch als Widerstand gegen Opa.

Papa will heile Familie spielen und möchte besonders früh zu den Verwandten fahren. Mama ist also allein auf ihrer Front, außer sie bekommt Hilfe von mir, ihrer Tochter. Die hätte ich ihr sogar gerne gegeben, wenn sie nicht auch gegen mich gestichelt hätte, sodass ich mich nicht für sie bei der ganzen Verwandtschaft zur Außenseiterin machen wollte.

Also wollte ich zur Mehrheit halten und brav früh mit zu den lieben Großeltern fahren. Kurz vorher konnte ich das aber doch nicht und habe meinen Eltern gesagt, dass ich diese Kriegsführung unfair finde, daraufhin waren sie beide beleidigt und konnten das nicht verstehen.

Jetzt fahre ich gar nicht mit, um ein Zeichen zu setzen, aber ich glaube, das hat nicht viel gebracht, verstanden hat mich keiner, und so opfere ich mich unnötig auf.

Unverstanden und einsam.

So explosiv war ich nur, weil ich mal wieder das Gefühl hatte, das meine Mama mich verlassen hat, im Moment lebe ich mit dem Gefühl, solange meine Mama mich liebt, kann ich alles, und sonst nichts. Ich lebe dafür, dass sie mich mag, und wenn das nicht funktioniert, fühle ich mich direkt einsam, zu Tode verletzt, und unglaublich leer.

Ich weiß eigentlich, wenn sie mich so zurückstößt, geht es ihr selber nicht gut, aber in so einem Augenblick der Verzweiflung kann ich das nicht bis in meine Gefühle verinnerlichen, es geht mir trotzdem so unglaublich schlecht.

Ich bin im Krieg, ganz allein, und versuche als Widerstandskämpferin die Fronten aufzulösen.

Wenn ich selber Verzweiflung zeige, schwach bin, dann kann ich das nicht; wenn ich nach außen Stärke präsentiere, niemals zeige, was ich wirklich denke, dann kann ich den anderen ein Stück weit helfen.

Ich wünsche mir, dass irgendwann eine Zeit kommt, in der ich ich sein darf, auch mit meinen Schwächen und Fehlern, mit meiner eigenen ehrlichen Meinung, und trotzdem nicht in die Einsamkeit zurückgestoßen werde.

Ich wünsche es so sehr.